Übernachtung auf dem Käppeli 9.6.09 - 10.6.09
"Am Dienstagnachmittag nach der Schule, fuhren wir mit dem Zug auf den Brünig. Dann liefen wir aufs Käppeli. Als wir angekommen waren, richteten wir unsere Schlafplätze ein. Wir durften noch raus spielen gehen. Wir haben Kochgruppen gemacht. Die erste Gruppe fing an zu kochen. Es gab Makronen mit Cinque pie und Carbonara Sause. Dazu Karotten mit einem Dipp. Es war sehr lecker. Dann mussten zwei Kinder abwaschen. Am Abend machten wir alle zusammen Kreisspiele. Dann mussten wir schon die Zähne putzen. Frau Heller las uns noch eine Geschichte vor. Wir gingen langsam ins Bett. Carina und Andrea waren bis um halb zwölf Uhr wach. Am nächsten Morgen mussten wir um sieben Uhr aufstehen. Wir aßen Frühstück. Dann haben wir unsere Verkleidungen angezogen. Wir machten einen Tag alte Schule. Die Lehrerin war streng. Wir sangen Lieder. Silia und Carina mussten in die Ecke stehen. Die Zeit verging wie im Flug. Schlussendlich mussten wir zusammenräumen und putzen. Dann liefen wir runter vom Käppeli. Auf dem Pausenplatz verabschiedeten wir uns und gingen nach Hause."
Geschrieben von Andrea Berchten und Carina Dietrich
Dazu die Klassenlehrperson Simone Heller:
Wer hat schon einmal einen Sack voller Flöhe gehütet?
Etwa so fühlten wir uns. Martin Bossard, René Kämpfer und ich waren die Bändiger, ab und zu auch die Klempner von erschöpften Seelen. Der Regen prasselte laut auf das Stalldach, Spinnen kletterten um die Kinderschlafsäcke. Ab und zu ertönten entsetzte Schreie, dann wieder lautes Gekicher. Am frühen Abend wurde vor allem Tischtennis und Tischfussball gespielt. Da das Wetter schlecht war, spielte sich alles in einem einzigen Raum ab. Die Kinder waren etwas überdreht und voller Energie. Es wurde viel gespielt, gekichert, geschwatzt und kaum gestritten. Erst bei den Kreisspielen kehrte eine ruhige Atmosphäre ein. Es wurde ausgiebig gelacht. Nur mit viel Geduld brachten René Kämpfer und ich die Kinder dazu, in ihre Schlafsäcke zu kriechen und still zu sein. Etwa eine Stunde lang quietschte noch die Klotür, dann wurde es allmählich still.
Schon vor 06.00 Uhr morgens raschelten die ersten Schlafsäcke. Einige Kinder schlenderten zum Waschtrog und unterhielten sich vergnügt, als hätten sie eben lange ausgeschlafen. Als alle Schlafsäcke zusammengerollt waren, versammelten wir uns zu einem leckeren Frühstück. Martin Bossard brachte uns Gipfeli und frisches Brot. Um 08.00 Uhr begann der Unterricht. Es war auch für mich, als Schwester verkleidet, eine interessante Erfahrung. Vor mir die Jungs, zum Teil mit Hosenträgern und Dreiviertelhosen, die Mädchen mit Zöpfen und Röcken, ein ungewöhnliches Bild. Die Kinder sahen mich schelmisch an und einige warteten begierig auf die Strafen. Einige Strafen musste ich austeilen, dann versuchte ich auch zu zeigen, dass die Schule früher nicht nur aus Schlägen und Strafen bestand. Wir sangen, lernten Gedichte auswendig, schrieben einen kurzen Text und bestimmten Pflanzen.
Einigen Kindern schien der autoritäre Unterrichtsstil zu gefallen. Es fiel ihnen aber offensichtlich schwer, aufrecht zu sitzen. Ich werde im Unterricht wieder vermehrt auf die Körperhaltung achten.
Ich sagte den Kindern deutlich, was ich von ihnen verlange. Sie mussten viele Aufträge brav erledigen. Mitdenken war aber nicht erwünscht. In der heutigen Zeit müssen die Kinder beinahe immer mitdenken, die Lernziele werden ihnen transparent dargelegt, bei den Wegen können, müssen und sollen sie vermehrt selber mitentscheiden und Verantwortung tragen. Ich finde dies sehr wichtig für den Weg zur Selbständigkeit. Offensichtlich war aber auch, dass die Kinder beinahe erleichtert reagierten, als ich ihnen einmal einfach alle Entscheidungen abnahm. Sie schrieben auch ihre Strafaufgaben teilweise sehr eifrig. Als ich einem Jungen eine Strafaufgabe verkleinern wollte, wehrte er ab und erledigte sie vollständig.
Fragen wie "Wie werden diese Kinder in 20 Jahren über unseren jetzigen Erziehungsstil sprechen?
Wie werden sie später ihre Kinder erziehen?" beschäftigen mich in letzter Zeit:
Auch wenn ich am Mittwoch ziemlich erschöpft in mein Bett fiel, schaue ich gerne auf dieses einmalige Erlebnis zurück und hoffe, es hat auch den Kindern Spass gemacht.
Simone Heller, 3./4. MJK








